Internationaler Tag des Ehrenamtes den stillen, wahren Helden gewidmet

Kolumne

Moment mal

(Krefeld, 05. Dezember 2017)
 Es darf als glückliche Fügung bezeichnet werden, dass sich heute zwei epochale Ereignisse zu einer Symbiose vereinen: Der „Internationale Tag des Ehrenamtes“ und die 73. Wiederkehr meines Wiegenfestes. Ein bisschen Spaß muss sein! Dabei lag mein Geburtstag in Bad Oeynhausen während den Kriegswirren im  Dezember 1944 jedoch eindeutig früher als jener dieses „Welttages“ mit besonderer Bestimmung, der 1985 von den Vereinten Nationen (UN) aus der Taufe gehoben wurde. Weitere Verbindungen und Rückschlüsse will ich allerdings nicht konstruieren. Obwohl ich mit Ehrenämtern durchaus vielfältige Erfahrungen gesammelt habe. Dabei stand offenkundig ein Gendefekt in Form meines damals schon ziemlich losen Mundwerkes Pate.
Angefangen hat es für mich als Klassensprecher auf der Handelsschule. Die zweite Station ließ nicht lange auf sich warten. Bei meiner Bundeswehr-Zeit in der damals größten deutschen Garnisonsstadt Koblenz mit rund 25.000 Soldaten bin ich innerhalb der Vollausbildung in der Stabskompanie Brigade zum Stubenkommandanten auserkoren worden. Ein Sch…job. Denn in dem Zwölf-Mann-Zimmer mit sechs doppeltstöckigen Betten und großem Tisch in der Mitte gab es bei einem Dutzend trinkfesten, bierseligen und hormongesteuerten Twens um die Zwanzig voller Saft und Kraft ungeachtet aller Kameradschaft schon einiges zu schlichten. Auch im Verhältnis mit und zu Vorgesetzten.

Pressesprecher von eigenen Gnaden zugleich ein Türöffner

Als bis dahin Mannschaftssportler zunächst im Fußball, danach ab 14 im Eishockey stand beim Bund gewissermaßen meine Wiege für die Leichtathletik. Mit Technik Marke Eigenbau und ohne jegliches Krafttraining, mal vom einarmigen Reißen von Bierhumpen abgesehen, bin ich Brigademeister (11,51m) und Dritter der Divisionsmeisterschaften (11,98m) geworden. Daheim in der Stadt wie Samt und Seide habe ich mich als Späteinsteiger im April 1966 den Leichtathleten von Preußen Krefeld, seit 2016 nach zuvor 45 Jahren Bayer Uerdingen wieder mein Verein, angeschlossen. Da lag die Öffentlichkeitsarbeit trotz einiger herausragender Athleten/innen wie der Diskuswurf-Olympiavierten von Rom 1960, Kriemhild Limberg-Hausmann, Brigitte Holzapfel und Dieter Leyckes ziemlich im Argen. Und schwuppdiwupp habe ich mich selber zum Pressesprecher von eigenen Gnaden gemacht. Neben meinem seinerzeitigen Hauptberuf als Betriebsprüfer einer gesetzlichen Krankenkasse letztlich der Türöffner zum Sportjournalismus. Keine Bange, das wird jetzt kein Lebenslauf, was auch diesen Rahmen bei Weitem sprengen würde.

IBM wurde damals noch mit Immer Besser Manuell übersetzt

Als die damalige Technik auch schon IBM hieß, aber noch mit Immer Besser Manuell übersetzt wurde, war ich einige Jahre Statistiker des früheren Leichtathletik-Kreises Kempen/Krefeld. Vor allem beim Hang zu einer unerreichbaren Perfektion ein höchst undankbares Geschäft. Gedruckt ist gedruckt, da kann nicht schnell noch korrigiert werden wie im heutigen Online-Zeitalter. Ganz viel später war ich einige Zeit unter dem Vorsitzenden Dr. Claus Dethloff, zweimaliger Olympia-Teilnehmer 1992 und 1996 im Hammerwurf, so genannter (nicht meine Namensschöpfung) Kommunikationsbeauftragter der Sparte Rasenkraftsport im Deutschen Rasenkraftsport- und Tauzieh-Verband (DRTV). Schon im offiziellen vorzeitigen (Un-)Ruhestand mit 61 habe ich für die AOK Rheinland fünf Jahre eine Patenschaft in einem Krefelder Seniorenheim übernommen und zumeist ältere Damen bis jenseits der Neunzig mit meinen regelmäßigen Besuchen ein wenig aufgemuntert. Schwer zu beschreiben, da es um Gefühle geht. Aber mit Sicherheit die schönste und befriedigendste Aufgabe meiner fünf Ehrenämter.

Ein Ehrenamt sollte nie Mittel zum Selbstzweck sein

Aber genau ist es das schlussendlich: Ein Ehrenamt sollte bei aller verständlichen Eitelkeit nie Mittel zum Selbstzweck sein. Es hat in erster Linie völlig unprätentiös Dritten zu dienen, sollte vor allem eben eine Ehre sein. Da sind leider bei allzu vielen Amtsinhabern, die Namen sind unseren Stammbesuchern hinlänglich bekannt, bei ihren ausgeprägten narzisstischen Zügen erhebliche Zweifel angesagt. Immerhin gibt es auch ein paar leuchtende Beispiele. Und da es ungebrochen meine ehrliche Überzeugung ist, sind für mich fachbezogen die vielen „namenlosen“ Kampfrichter und Helfer bei Leichtathletik-Veranstaltungen die stillen, wahren Helden. Ohne sie wäre alles nix! Das sollte sich jeder vergewissern, wenn er sich aus seiner eingeschränkten Sicht vielleicht einmal ungerecht behandelt fühlt.