Sportsch(l)au: Kann eine Erkältung wirklich ausgeschwitzt werden?

(Köln/Krefeld, 25. November 2017) Es kursieren eine Menge Sportirrtümer, die so lange kolportiert und transportiert werden, dass sie irgendwann Mythenstatus erlangen, also für bare Münze genommen werden. Der Sportwissenschaftler Prof. Dr. Ingo Froböse (im Bild) von der Deutschen Sporthochschule Köln, früherer Klasse-Sprinter beim einstmals ruhmreichen ASV Köln, nimmt sich derartiger Vorurteile im WDR2-Hörfunk und ARD-Morgenmagazin unter der Rubrik „Sportsch(l)au“, anderen Publikationsmedien sowie seiner eigenen Netzseite an. Mit seiner freundlichen Genehmigung werden wir in loser Folge diese Beiträge veröffentlichen, wobei wir aus Platzgründen gelegentlich den Sinn wahrende Kürzungen vornehmen. Das ist nunmehr das 93. Kapitel zu diesem Themenkomplex. A.H.

Wer kennt es nicht, man hat eine Erkältung oder sogar eine Grippe, und der Körper steigert die Temperatur, um die Keime abzutöten. Dadurch schwitzen wir natürlich vermehrt, und deshalb liegt der Sportmythos nahe, dass man eine Erkältung ausschwitzen kann. Doch ist die Erhitzung durch den Sport dasgleiche?

Schweiß lass nach

Das Fieber ist eine nützliche Eigenschaft unseres Körpers, um Vorgänge im Organismus zu beschleunigen und ist meist die Folge einer Infektion. Durch die Erhöhung der Körperkerntemperatur kommt es zu einer besseren Durchblutungssituation des ganzen Körpers. Folglich kommen unsere Immunzellen schneller an den Ort des Geschehens und können ihre Abwehrarbeit verrichten. Zusätzlich sind die Immunzellen bei erhöhten Temperaturen aktiver und gehen somit besser ihrer Funktion nach. Damit ist Fieber erst mal eine gewünschte und passende Reaktion des Körpers auf Infekte. Aber ab Temperaturen von >41°C wird es gefährlich, denn viele der Immunzellen stellen ihre Arbeit ab diesen Temperaturen ein oder können nur noch schlecht wirken. 

Die Krux mit dem Sport

Da Sport ebenfalls die Körperkerntemperatur erhöht und die Durchblutung fördert, macht es ja eigentlich nur Sinn Sport zu treiben, wenn man erkältet ist. Falsch! Sport stellt eine zusätzliche Belastung dar. Die Energie, welche wir eigentlich für die Krankheitsbekämpfung benötigen, fließt stattdessen in die Muskulatur. Somit schwächen wir unseren Körper weiter und geben den Bakterien und Viren mehr Chancen sich auszubreiten. Besonders wenn wir Halsschmerzen oder bereits fiebrige Erkrankungen haben, sollte zusätzlicher Sport unbedingt vermieden werden! Deshalb sollte man dem Körper bei starken Erkältungen oder grippalen Infekten die Ruhe und Pause gönnen, die er benötigt. 

Ist Sport also Mord?

Natürlich nicht! Aber wir sollten bei Verletzungen und Erkrankungen immer dem Körper genug Zeit geben sich zu erholen oder andere Strukturen belasten. Wer beispielsweise nur einen leichten Schnupfen hat, sich aber sonst gut fühlt, kann auch mit angezogener Handbremse Sport treiben. Das kann sogar die Heilung unterstützen und uns wieder schneller fit machen. Wer sich unsicher ist, sollte es lieber drei bis vier Tage ruhig angehen lassen. Das hat noch keiner sportlichen Leistung geschadet. Somit kann auch dieser Sportmythos widerlegt werden.