Trotz IAAF-Verbot starteten 13 russische Senioren bei den "Baltic Open"

(Pärnu/Krefeld, 19. September 2017) Das ist ein handfester Skandal: Bei den offenen baltischen Meisterschaften der Senioren im estnischen Pärnu gingen im August 2017 auch 13 Russen an den Start. Zunächst war die Freude bei den Organisatoren groß, denn Senioren aus zehn Nationen meldeten sich und gaben diesen Titelkämpfen einen internationalen Anstrich.
Getrübt wurde die Freude, da auch Russen unter den Gemeldeten waren, und das trotz des Verbots der IAAF. Der Dachverband der Leichtathleten mit Sitz im Fürstentum Monaco hatte am 13.November 2015 den russischen Leichtathletik-Verband und damit alle Athleten, auch die Senioren, für Wettkämpfe auf internationalem Boden suspendiert. Schon zwölf Tage später, am 25. November 2015, gab der kontinentale Seniorenverband European Masters Athletics (EMA) im vorauseilenden Gehorsam diese Meldung weiter, bevor überhaupt die World Masters Athletics (WMA) reagiert und die Regional-Verbände informiert hatte.
Es schien gerade so, als könne EMA-Präsident Kurt Kaschke aus Freudenstadt nicht schnell genug neben seinen wöchentlichen Reiseberichten auch mal etwas anderes auf die verbandseigene Internetseite setzen. Noch jüngst berichtete der Reisekönig aus dem Schwarzwald, dass bei einer Sitzung der WMA in Frankfurt nichts Neues zur Causa Russland vermeldet worden sei.

EMA-Repräsentant tolerierte stillschweigend das illegale Treiben

Das IAAF-Verbot war in Estland bekannt, und so wandte man sich an Kaschke, der auf diese Verbannung verwies und einen Start ablehnte. Seinen Gewohnheiten zum Trotz reiste er Mitte August nicht zu den baltischen Meisterschaften, schickte stattdessen seinen treuen Gefolgsmann und Intimus Kalle Glomsaker aus Norwegen nach Pärnu. Der bekam nun vor Ort mit, dass die Russen trotz alledem an den Start gingen. Glomsaker tolerierte gewissermaßen durch seine Anwesenheit die Teilnahme der 13 Russen, sah ihnen als EMA-Repräsentant bei ihren Wettkämpfen gar interessiert zu.
Welchen Einfluss der Norweger auf die offizielle Ergebnisliste hatte, ist (noch) nicht bekannt. Im Stadion selbst waren die Russen auf jeden Fall noch im Aushang mit Ergebnis und Platzierung gelistet. Zwischen Stadion und Internet-Bekanntmachung gibt es nun indes eine Lücke, die aber von aufmerksamen und hellhörigen Anwesenden leicht geschlossen werden kann. Mit Kameras und Handys wurden die Ergebnislisten im Stadion abgelichtet und belegen den illegalen Start von suspendierten Russen, die den Deckmantel der Güte und des Stillschweigens seitens der EMA in Person von Kalle Glomsaker zu spüren bekamen.


Welche Konsequenzen zieht die IAAF aus dem Vorfall?

Es darf gemutmaßt werden, dass K.K. aus F. als Protagonist des häufig unkontrollierten Delegierens in die Annalen der EMA eingehen wird. Der bevorzugte Einsatz seines Delegierfingers entbindet ihn allerdings nicht von der Verantwortung, muss er seine Vertrauten mit der größtmöglichen Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit auswählen. So darf füglich bezweifelt werden, dass er für dieses (mittelbare) „Durchwinken“ der Athleten aus Putin-Land mit der Güte der WMA und noch viel weniger der IAAF rechnen kann. Das war schließlich die klare Missachtung eines noch bestehenden Beschlusses von höchster, für alle verbindlichen Instanz.