DLV konterkariert mit "Germany" die Interessen der deutschen Sprache

(Freiburg/Darmstadt/Krefeld, 16. September 2017) Stammbesuchern unserer Netzseite ist bekannt, dass unser kleiner Redaktionsstab und unsere Gastautoren/innen die deutsche Sprache hegen und pflegen, dass uns der Anglizismus-Wahn und die kulturelle Selbstverleugnung des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) buchstäblich ein Dorn im Auge sind. Sicherlich ist die von Heinz Engels aus Mainz, Ex-MdB Torsten Lange aus Bonn und Axel Hermanns aus Krefeld, dem Betreiber dieses Internet-Portals, im Frühjahr 2015 initiierte Aktion SENGIDA (= Senioren gegen die Internationalisierung der Altersklassen-Trikots) noch bestens in Erinnerung. Notfalls hiermit durch Anklicken des blau eingefärbten Links aufgefrischt. Nun fügte es sich zum „Tag der deutschen Sprache“ am 09.September 2017, dass wir einen außerordentlich kompetenten Mitstreiter in der Sache erhalten haben. Mit freundlicher Genehmigung des Verfassers dürfen wir nachfolgend seinen Brief an DLV-Präsident Prokop veröffentlichen. A.H.

VEREIN DEUTSCHE SPRACHE e.V. (VDS)
Dr. Dietrich Voslamber – Vorstandsmitglied
Leiter der Arbeitsgruppe Sprachenpolitik in Europa
Sebastian-Kneipp-Straße 14a, D-79104 Freiburg


Herrn                                                                                                       Freiburg, 9. September 2017                                  
Dr. Clemens Prokop
Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes
Alsfelder Straße 27
64289 Darmstadt

Sehr geehrter Herr Präsident!

Bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in London traten die deutschen Athletinnen und Athleten – wie schon bei ähnlichen Ereignissen in der Vergangenheit – mit der Trikot-Aufschrift „Germany“ zum Wettkampf an. Die meisten anderen Nationen hingegen hatten für diese Aufschrift ihre eigene Sprache gewählt. So las man „Polska“ (nicht Poland), „Italia“ (nicht Italy), „Nederland“ (nicht Netherlands), „España“ (nicht Spain) auf den Trikots der polnischen, italienischen, niederländischen und spanischen Athleten. Gleiches galt für Sportler aus Nicht-EU-Staaten wie etwa aus Brasilien und der Türkei.
Der gemeinnützige Verein Deutsche Sprache e.V. mit seinen 36.000 in- und ausländischen Mitgliedern möchte den heutigen „Tag der deutschen Sprache“ zum Anlass nehmen, dafür zu werben, dass auch die Trikots der deutschen Sportler künftig mit „Deutschland“ statt „Germany“ beschriftet werden. Es ist für uns unverständlich, dass Deutschland bei Sportveranstaltungen offensichtlich einem sprachlichen Minderwertigkeitskomplex erliegt, während sich andere Länder selbstbewusst in ihrer eigenen Sprache präsentieren. Die Bemühungen des Goethe-Instituts und des Auswärtigen Amtes, die mit hunderten Millionen Euro den Stellenwert der deutschen Sprache in der Welt verbessern wollen, werden so konterkariert.
Viele deutsche Liebhaber der Leichtathletik zeigten sich verärgert, weil es ihnen durch die alltäglichen Fernsehbilder schwergemacht wurde, sich mit den Sportlern des eigenen Landes zu identifizieren. Dies ist umso bedauerlicher, als der Sport in Deutschland mit nicht geringen Steuermitteln gefördert wird. Zudem ist dieses Verhalten auch politisch verhängnisvoll, da es dazu angetan ist, nationalistischen, rechtsextremen Tendenzen Vorschub zu leisten.
Gerne sind wir zu einem weiteren Gedankenaustausch mit Ihnen oder Ihren für die sprachliche Präsentation verantwortlichen Mitarbeitern bereit. Ihrer Antwort sehen wir mit großem Interesse entgegen.

Mit freundlichen Grüßen

gez. Dietrich Voslamber