Nicht allein der rottende Fisch stinkt zuerst vom Kopf her

Kolumne

Moment mal

(Darmstadt/Krefeld, 20. August 2017)
„Ein rottender Fisch fängt bekanntlich vom Kopf an zu stinken“, kommentierte der aus der einstigen DDR hervorgegangene frühere Weltklasse-Diskuswerfer Wolfgang Schmidt (*1954) kurz und knackig auf facebook" das durchweg enttäuschende Abschneiden der deutschen Leichtathleten bei den Weltmeisterschaften in London. Dass er damit vordergründig nicht die angelandeten, verwesenden Meerestiere meint, sondern er auf die Führungsspitze des DLV in Darmstadt zielt, darüber muss nicht gerätselt werden, liegt vielmehr wie ein offenes Buch auf dem Tisch.
Dieser Dach- und Fachverband wird seit geschlagenen 16 Jahren (es muss schon zum nächsten Verbandstag dringend eine Amtszeitbegrenzung her), glücklicherweise bald nicht mehr, von einem leitenden Beamten (Direktor des Amtsgerichts Regensburg) wie eine Behörde geführt. Sein designierter Nachfolger, der Oberbürgermeister der „Weltstadt" Bietigheim-Bissingen (schon wieder sehr amtlich geprägt) wurde in diesem Frühjahr bei einer Autofahrt unter Alkoholeinfluss (1,1 Promille, also ein Straftatbestand) erwischt. Eine arg schrille Begleitmusik für einen unvoreingenommenen Vertrauensvorschuss... Gut, noch ist er nicht gewählt.

Es müsste ein geschäftsführender Vorsitzender her
 
Was eigentlich her müsste, wäre ein geschäftsführender, also offiziell bezahlter Vorsitzender aus dem erlauchten Kreise des Top-Managements. Das wäre gut angelegtes Geld, das der DLV mit seinem Verwaltungswasserkopf von gefühlten 50 Direktoren und vielen sonstige überflüssigen Nebengeräuschen (zum Beispiel sündhaft teure Dienstreisen von Würden- und Bürdenträgern) an falscher Stelle ausgibt. Da wird ständig von so unheimlich wichtigtuerischen Figuren wie den (ehrenamtlichen) Leiter Wettkampf-Organisation Frank O.Hamm aus Aachen irgendetwas verschlimmbessert und schlussendlich kaputtreformiert. Die jüngste gekippte Errungenschaft aus diesem Gruselkabinett: Seine ganzen „schönen Sandkastenspiele“ in der DLO, Anhang 3, werden zum 1.Januar 2018 alle eliminiert. Drei komplette Seiten mit so „tollen“ Regelungen wie Cupwertung, Joker und Streichergebnis sowie vielem anderen baren Unsinn wird es dann nicht mehr geben. Weg, ausgelöscht, gerade so, als hätte es sie nie gegeben. Unterschrieben wurde die Anordnung von DLV-Generaldirektor Michael Lameli (ob, und wenn ja wie viele Sterne er hat, ist uns nicht bekannt.).

Außer bei Senioren alle Team-Wettbewerbe kaputtreformiert

So ganz allmählich merken selbst die beratungsresistenten Funktionäre, was für eine Leuchte ihr Vorsitzender Wettkampforganisation ist (dem Vernehmen nach soll er zum europäischen Verband weggelobt werden). Dafür mussten aber erst die Mannschaftswettkämpfe von Männern, Frauen und allen Jugendklassen an die Wand gefahren werden. Allein bei den Senioren/innen, die sich seinerzeit vehement gegen den haarsträubenden Firlefanz zur Wehr setzten, gibt es in 2017 (noch?) einen Team-Wettbewerb auf Bundesebene. Konkret am 09.September im Wallfahrtsort Kevelaer am unteren linken Niederrhein unmittelbar an der Grenze zu den Niederlanden.
Eine treffliche Gelegenheit in der dortigen wunderschönen Basilika eine Kerze aufzustellen, dass dieses nicht totzukriegende Pflänzchen DAMM, die Keimzelle der Senioren-Bewegung in der Leichtathletik, allen etwaigen weiteren Widerständen zum Trotz noch recht lange erhalten bleibt.