Senioren-EM: Medaillenspiegel sinnfreie Spielerei, die abgeschafft gehört!

(Aarhus/Krefeld, 08. August 2017, 17 Uhr) Es ist wie es immer ist nach internationalen Meisterschaften der Senioren/innen: Da wird auf den einschlägigen Netzseiten verzückt und verklärt auf den Medaillenspiegel geschaut. Und wie stets stimmen wir standhaft und aus voller Überzeugung in diesen ausgemachten Nonsens nicht ein. Denn es pflegt sich gerade bei Europameisterschaften um ein Muster ohne jeden Wert zu handeln. Den können sie sich allesamt ausdrucken, rahmen und aufs Gästeklo hängen. Zumal die Erfolge der deutschen Athleten bei der Ü35 von keinerlei Fördermitteln abhängen. Gleichwohl brüsten sich die Erbsenzähler und täglichen Wasserstandsmelder in der Senioren-Spielecke auf dem Internet-Portal des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) damit. Dabei scheren sie sich ansonsten beim DLV einen feuchten Kehricht um die Befindlichkeiten, Sorgen, Kümmernisse und vor allem Interessen der Ü35-Generation. Der meist schweigende Seniorensprecher eingeschlossen, der stets verbandsgetreu und stromlinienförmig in das gleiche Horn bläst. Gestern machte er seine Verharmlosungsnetzseite mit was auf? Natürlich mit den Medaillenspiegel! Eine sehr vereinfachte Rechnung, ein Zerrbild obendrein.

Klassische Vergleich von Äpfel und Birnen

Schlussendlich handelt es sich um den klassischen, unmöglichen Vergleich von Äpfel und Birnen. Wenn schon dieser völlig überflüssige, der Beweihräucherung der oberflächlich betrachtet besonders Erfolgreichen dienende Medaillenspiegel veröffentlich wird, dann, bitte schön, nach vernünftigen, gerechten Kriterien, die wir vor Jahren schon einmal zur Diskussion gestellt haben. Die nackten, absoluten Zahlen spiegeln nicht zwingend auch das wahre Kräfteverhältnis unter den verschiedenen Nationen von sehr unterschiedlicher Bevölkerungs- und Teilnehmerstärke wider. Keine Spur von Chancengleichheit in der Bemessung. Streng genommen eine Diskriminierung und Herabwürdigung der kleineren Staaten. Das Ei des Columbus‘ haben wir damals bei unterschiedlichen Vorschlägen freilich auch nicht gefunden.
Setzen wir schlicht die Medaillen in Relation zu den Gemeldeten, aufgemacht am Beispiel der beiden Erstplatzierten nach dem konventionellen Medaillenspiegel Deutschland (814 Gemeldete) und Großbritannien mit Nordirland (406). Vereinfacht dargestellt hätten die Germanen also rund doppelt so viele Plaketten holen müssen. Haben sie aber nicht. Ziel, wenngleich knapp, verfehlt. Bei noch halbwegs repräsentativer Meldezahl (169) hat das an dritter Stelle rangierende kleine Finnland (5,5 Millionen Einwohner) die – nicht vollständig erhobene – Relativwertung klar für sich entschieden. Auf jeden Gemeldeten entfallen 0,7 Medaillen, bei den Briten sind es 0,51 und den Deutschen exakt 0,5. Allein daran ist zu sehen, dass sich mit Zahlen alles oder gar nichts beweisen lässt. Also gleich weg mit dem Medaillenspiegel, der eh nicht mehr ist als eine völlig sinnfreie Spielerei.

Kehrseite geflissentlich übersehen

Und eines wurde von den Ge- und Verblendeten geflissentlich oder tatsächlich übersehen: Die Rückseite des Medaillenspiegels. Die Germanen stellen, was auch, aber nicht nur der Masse geschuldet ist, die mit Abstand meisten Sporttouristen und Hinterbänkler. Die Ergebnislisten geben davon Zeugnis, die ich tagtäglich in mühevoller Kleinarbeit durchforstet habe.