Trilogie: WMG letzte Station der Internationalen Geld-Meisterschaften

Glosse

Neben der Spur

(Auckland/Krefeld, 05. April 2017)
Bekanntlich hat das letzte Hemd keine Taschen. Was liegt da näher, als das Hab und Gut noch zu Lebzeiten nach dem Leitsatz „Man gönnt sich ja sonst nichts, was lacostet die Welt?" zu verjubeln. Dazu als Schutzmaßnahme ausgewiesen, bevor sich später die liebe Verwandtschaft noch über das Erbe in die Haare kommt. Unter dem Motto stehen für die Alles-Starter aus Europa auch die Internationalen Geld-Meisterschaften in der Leichtathletik. Da kommt manch einer, überspitzt formuliert, mit dem Auspacken, Wäsche waschen und wieder Einpacken zwischen den nominellen „Groß-Ereignissen“ mit eher überschaubarem sportlichem Wert kaum noch nach.
Wie denn, wo denn, was denn? Als da waren und wären für die Betuchten und Bepelzten der Ü35-Generation: Die Stadion-Weltmeisterschaften vom 26.Oktober bis 06.November 2016 in Perth (Australien), die Hallen-Weltmeisterschaften vom 19. – 25.März 2017 in Daegu (Südkorea) und nunmehr die World Masters Games (WMG) vom 21. – 30.April 2017 in Auckland (Neuseeland). Flugzeiten, von Frankfurt ausgehend, 18, 15 respektive 24 Stunden. Mahlzeit!
Allen Strapazen und Ausgaben zum Trotz gibt es sie, die deutschen Senioren/innen, die sich die gesamte Trilogie unter den Allerwertesten und dem Portfolio nehmen. Natürlich sei’s denen von Herzen gegönnt, die es sich (hoffentlich) leisten können und wollen. Das wäre mir offen gestanden bei der Aversion, fast schon Phobie, gegen Flüge über drei Stunden jenseits der Algarve, außer in der First Class, noch geschenkt zu teuer. Dabei könnte ich es dank eines exorbitanten Familien-Rabattes meiner bei der Lufthansa beschäftigten Tochter Vera sehr preiswert haben. Bei den noch Werktätigen stellt sich zudem die Frage, wie kriegen die das urlaubstechnisch alles unter einen Hut, so sie daraus keine reinen Wettkampf-Trips machen? Was bei diesen touristisch ausnahmslos reizvollen Reisezielen eine ausgesprochene Schande wäre!

Je nach Gemütslage: Geht’s noch oder Crazy Krauts

Die WMG mit 28 verschiedenen Sportarten, als eine davon Leichtathletik, stehen nicht unter dem Patronat internationaler und nationaler Fach-/Dachverbände. Mithin auch nicht dem Rundum-sorglos-Paket der Gott begnadeten DLV-Betreuung. Wobei sich die Senioren/innen ohnehin stets selbst entsenden. Aber speziell in Auckland ist selbstverständlich kein National-, sondern schlicht das Vereinstrikot oder Fantasie mit Schneegestöber angesagt. Manche Germanen haben sich jedoch schon so sehr an das Germany-Leibchen gewöhnt, dass sie nun laut der Verharmlosungsnetzseite vom schweigenden Seniorensprecher Alfred Hermes, der schon bald von einigen Kugelstoßern einen Auftrag erhält, ein Trikot mit der Aufschrift „German Oldies“ kreiert haben. Nette Zeitgenossen sagen vielleicht „Geht’s noch?“, böse Zungen konstatieren dagegen den Anglizismus-Wahn nachäffend „Crazy Krauts!“ (= Schimpfwort der kulinarischen Barbaren aus den USA, da wir nach ihrer unmaßgeblichen Sichtweise bevorzugt Sauerkraut essen würden). Gestehe freimütig, dass ich zur zweiten Version tendiere.
Aber über allem stehen selbstverständlich die Grundsätze „Jedem wie es ihm gefällt“ oder „Jeder blamiert sich so gut er kann“. Es lässt indes auch den Schluss zu, dass die WMG eben doch eher eine Jux-Veranstaltung mit jede Menge „Fun“ sind. Ganz unserer heutigen Spaßgesellschaft angemessen.