DLV macht auf der Senioren-Spielecke völlig haltlose Versprechungen

Kolumne

Das Wort am Sonntag

(Krefeld, 01 . Juni 2014)
Unternehmen wir wieder einmal unseren – je nach Sichtweise – geliebten oder gehassten virtuellen Rundgang durch die einschlägigen Senioren-Netzseiten. Machen wir den Anfang mit den von Gott begnadeten, vom Himmel gefallenen Kopf- und Handwerkern in der Senioren-Spielecke des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Statt das kleine Startfenster mit einer jeweils aktuellen Anreißmeldung aufzumachen, steht dort vermutlich seit Beginn des Internet-Zeitalters der salbungsvolle Text: „Immer mehr Senioren nehmen an Leichtathletik-Wettkämpfen teil. Das zeigen die Starterfelder der Deutschen Seniorenmeisterschaften, aber auch international der Senioren-Weltmeisterschaften. Auf leichtathletik.de gibt es deshalb eine eigene Senioren-Seite: mit Berichten von den Saison-Höhepunkten, aktuellen News, Terminen, Regeländerungen sowie anderen wissenswerten Dingen aus dem Senioren-Sport.“

Eine fromme Lüge kommt selten allein

Das ist nicht nur eine charmante Übertreibung, das ist schlichtweg eine fromme Lüge. Zunächst einmal völlig los gelöst von Inhalten, gab es im nunmehr abgelaufenen Wonnemonat Mai ganze zehn Beiträge. Bei unserem Nischenengagement hauptsächlich für den Wurf, waren es bei uns derer 42 (!) an der Zahl. Obwohl wir nicht Blinde Kuh spielen und keineswegs so blauäugig sind, dass bei den Senioren ausnahmslos weiße Schafe unterwegs wären, war beim DLV Doping das alles beherrschende Thema. Drei der insgesamt herzlich wenigen Nachrichten beschäftigten sich irgendwie damit. Das sind dann nach Schürmanns Rechenbuch stramme 30 Prozent. Gnadenlos übertrieben. Der gerade begonnene Juni beschert uns gleich die unvermeidliche Anti-Doping-Newsletter. Zugegeben, dass es jetzt ein wenig gemein ist: das ergibt vier aus den letzten elf Beiträgen oder 36,36 Prozent. Möge sich der geneigte Leser die in Anführung gesetzten völlig haltlosen Versprechungen aus Darmstadt noch einmal vergegenwärtigen und dann sein eigenes Urteil bilden. Denn nach dem treffenden Wort für das „Prädikat“ suche ich noch. Selbst das vernichtendste Attribut wäre schamlos geschmeichelt.

EVAA und WMA toppen den DLV noch

Nun kann ich mich kurz fassen: Das lässt sich 1:1 auf die Netzseiten des kontinentalen und globalen Dachverbandes übertragen. Bei der EVAA von wenig viel Selbstdarstellung und –beweihräucherung der Amts- und Würdenträger. Wenn andere einen nicht erwähnen/loben, muss man es halt selber tun. Auf der Seite der WMA findet der geneigte Betrachter im Mai eine karge Meld
ung vor. Sie handelt, na, was wohl (?), von Doping natürlich, womit der DLV bei 100 zu 30 Prozent klar distanziert wird. Immerhin das. Erfreulich indes, dass die Dopingkontrollen bei der Hallen-WM in Budapest negativ ausfielen, was für die Probanden positiv war. Wie viele in welchen Disziplinen müssen mussten, darüber schweigt sich die höchste aller Dachorganisationen freilich aus. Es liegt auf der Hand, dass dies taktische Gründe hat. Allerdings verschweigen wir nicht, dass Multifunktionärin Margit Jungmann aus Rehlingen in ihrer Eigenschaft als Vizepräsidentin für die online-mediale Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist/wäre. All’ jene, die bereits kurz nach ihrer Inthronisierung bei der WM 2013 in Porto Alegre (Brasilien) geunkt hatten, denen darf nunmehr ein feines Näschen attestiert werden. Anders herum wäre fraglos schöner gewesen.

Allzu vornehme Zurückhaltung der Sache nicht dienlich

Allemal eine Bereicherung ist das relativ neue Internet-Portal www.ue30leichtathletik.de vom für den Pulheimer SC startenden Mittelstreckler Alfred Hermes (*1946) aus Jülich. Als studierter Informatiker ein Mann vom Fach, kommt das Erscheinungsbild schon gekonnt daher. Was noch wichtiger ist: es gibt fast jeden Tag irgendetwas Neues, die Nachrichten sind meist aktuell und informell. Wo Licht ist, kann der Schatten nicht weit sein. Ein Manko aus meiner, logischerweise nicht allgemein gültigen Sicht: bei dem unausweichlichen Interessenkonflikt, dem er als Seniorensprecher in der Zusammenarbeit mit dem nationalen Verband ausgesetzt ist, geht es in der nicht vorhandenen Konfrontation allzu diplomatisch zu.  Es dürfte ja ruhig sachliche Kritik sein, von der es mehr als genug geben würde und gegen die niemand etwas einwenden könnte. Duckmäusern war einer gemeinsamen Sache noch nie dienlich.
In diesem Sinne einen schönen (Rest-)Sonntag und eine ereignisreiche vorpfingstliche 23. Kalenderwoche!