Europarekord oder eben doch nicht – das war hier die bange Frage?!

Kolumne

Moment mal

(Stendal/Krefeld, 31. Mai 2016)
Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast. Diese uralte Diskussion wurde beim Stendaler-Hanse-Cup erneut entfacht. Bei dieser Vorzeigeveranstaltung, bereits nach nur vier Auflagen ohne jede Übertreibung das Maß aller Dinge in der globalen Senioren-Mehrkampfszene, gab es einmal mehr als Krönung einige besonders hell strahlende Glanzlichter: Rekorde! Doch großes Rätselraten löste das Punktergebnis von Anja Akkerman-Smits aus den Niederlanden im Siebenkampf der W60 aus. War es nun ein neuer Europarekord oder eben doch nicht? 5.882 Punkte hatte das fortgeschrittene Meisje bei ihrem grandiosen Zwei-Tage-Werk im Stadion „Am Galgenberg“ der Hansestadt gesammelt.
Doch nun kommen verschiedene Buchführungen (Statistiken) ins unselige Spiel. Die Niederländerin hatte für ihre bisherige kontinentale Bestmarke als Silbermedaillen-Gewinnerin der vorjährigen Senioren-WM in Lyon drei unterschiedliche Diplome bekommen. Gewissermaßen zum Aussuchen. Selbst hatte sie für ihre sieben Einzelresultate 5.855 Punkte errechnet. So wies es auch die antiquarische, von einem Erstklässler im vorigen Jahrhundert programmierte Online-Ergebnisliste aus. Nur allein deshalb musste sie ja nicht falsch sein, wie auch Akkermanns Nachrechnung bestätigte.
Das störte freilich den EVAA-/EMA-Statistker Ivar Söderlind aus Schweden nicht wirklich, sie mit 5.885 Punkten in der offiziellen Rekordliste zu notieren. Söderlinds Antipode in Sachen Statistik kommt aus Italien, von SIGMA. Initiiert von Nicola Maggio, als er bei EMA-Präsident Kurt Kaschke aus Freudenstadt im Schwarzwald noch in Gnaden stand und als Präsidiumsmitglied sein – später von ihm geschasster – Technischer Direktor war. Dort bei Fidalservizi aus Italien hingegen wird noch unter der spätestens im Oktober 2015 abgelösten Flagge der EVAA das Oranje-Mädel mit 5.855 Punkten geführt.

Unseliges, verwirrendes Nebeneinander

Kaschke wünschte dieses neue System des Software-Vertragspartners Fidalservizi und wollte Söderlind ablösen. Was denn nun? Warum überhaupt gibt es zwei verschiedene Buchführungen, die nur verwirren und eine klare Linie vermissen lassen? In seiner stets gesteigerten Form des unkontrollierten Delegierens ist dem Schwarzwälder wieder einmal ein wichtiger Bereich entglitten und die Verselbständigung geht zu Lasten der Senioren/innen, die sich – wer verdenkt es ihnen – nicht ernst genommen fühlen.
Zwischen den Stühlen, und das ist zu beklagen, sitzt ein hochmotiviertes Organisationsteam, das allzu verständlich aus werberischem Aspekt liebend gerne weitere Rekorde auf den Briefkopf nimmt. Es bestand also Handlungs- und Klärungsbedarf. Natürlich in erster Linie im Interesse der Athletin. Kürzen wir es ab: Der via Mail eingeschaltete Söderlind erklärte frank und frei, dass ihm ein simpler Tippfehler unterlaufen sei. Kleine Ursache, große (Nach-)Wirkung. Halten wir also jetzt auch qua Amt bestätigt fest, dass die gute Anja ihren eigenen Europarekord in Stendal um 27 Zähler auf 5.882 Punkte verbessert hat. Ein Rekordprotokoll möchte Söderlind allerdings schon noch erhalten. Es muss ja schließlich alles seine Ordnung haben, was auch völlig in Ordnung ist.
Drum merke: Statistiker sind auch nur Menschen und keine lediglich Zahlen ausspuckenden Roboter.