Ein ehedem Großer der Zehnkampf-Zunft wird heute 80 Jahre

(Nieder-Olm/Krefeld, 24. Mai 2016) Ob es sich nun um eine Laune der Natur oder aber die gezielte Familienplanung seiner adeligen Eltern handelte, hat es auf ihn bezogen schon symbolischen Charakter, dass er ausgerechnet im Olympiajahr 1936 geboren wurde. Gemeint ist Werner Konrad Graf von Moltke, der just heute vor 80 Jahren im thüringischen Mühlhausen das Licht der Welt erblickte. Der spätere Träger des Bundesverdienstkreuzes und des Silbernen Lorbeerblattes wuchs in Berlin auf und hatte hier nach dem Zweiten Weltkrieg beim dortigen ASV Berlin seine ersten Kontakte zur Leichtathletik. Der vielseitige Athlet, der aus dem mecklenburgischen Adelsgeschlecht Moltke stammt, trat 1956 in die Bundeswehr ein und diente in Ellwangen (Baden-Württemberg). Er startete zunächst für den TSV Ellwangen, anschließend für die Stuttgarter Kickers und auf dem Höhepunkt seiner erfolgreichen Karriere für den USC Mainz. 1958 und 1968 wurde Werner von Moltke deutscher Meister im Zehnkampf. Seine persönliche Bestleistung stellte er 30-jährig 1966 mit 7.849 Punkten auf.

Drei Zehntel über 1.500 Meter fehlten am EM-Titel

Seinen ersten großen internationalen Erfolg verbuchte der 1,90m große und 90 Kilo schwere Modellathlet bei den Leichtathletik-Europameisterschaften 1962 in Belgrad, wo er nur vier Punkte hinter dem Russen Wassili Kusnezow mit einem neuen deutschen Rekord die Silbermedaille gewann. Drei Zehntelsekunden fehlten am Ende im 1.500-m-Lauf, um die schon vorher sicher geglaubte Goldmedaille tatsächlich zu erhalten. In diesem Zehnkampf schleuderte Werner die Diskusscheibe auf 49,21 Meter, eine auch noch heutzutage großartige Leistung für einen Zehnkämpfer. Nach dem Stabhochsprung, wo er mit 4,25 Meter persönliche Bestleistung sprang, stellte er mit 56,17m im Speerwurf seinen dritten „Hausrekord“  am zweiten Tag auf. Kusnezow, der bereits 1954 und 1958 gewonnen hatte, kam auf 68,08 Meter und lag nur noch 44 Punkte hinter Werner. Damals liefen die acht Erstplatzierten nach neun Wettbewerben noch nicht gemeinsam die abschließenden 1.500 Meter. So musste von Moltke vorlegen, erzielte 4:46,9 Minuten. Der Russe wusste somit, dass er 4:41,2 Minuten für die Goldmedaille laufen musste. Und er rannte wie um sein Leben, unterbot seine Bestzeit um fast 15 Sekunden und kam in Maßarbeit nach 4:41,0 Minuten ins Ziel.
Der Zehnkampf-Graf feierte seinen größten sportlichen Triumph bei den Europameisterschaften 1966 in Budapest, als er sich vor Jörg Mattheis (7.614 Punkte) und Horst Beyer (7.562 Punkte) mit 7.740 Punkten den Titel im Zehnkampf holte. Wie vier Jahre vorher in Belgrad lag er nach neun Disziplinen in Führung, gab sie aber diesmal beim „Marathon der Mehrkämpfer“ nicht mehr ab. Den Tiefpunkt erlebte er bei den Olympischen Sommerspielen 1968 in Mexiko, als er schon nach dem zweiten Wettbewerb, dem Weitsprung, ausschied.

Als Präsident der Sportler Geschichte geschrieben

D
er Jubilar war von 1989 bis 1997 Vizepräsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Anschließend führte er bis 2012 als Präsident die Geschicke des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV), für den er viel erreichte. Er holte in seiner Amtszeit nicht weniger als zwölf hochkarätige Veranstaltungen nach Deutschland. Als da wären die ersten Volleyball-Weltmeisterschaften auf deutschem Boden in Halle (Frauen 2002) und Beach (WM 2005), fünf Europameisterschaften (Männer 2003, Frauen 2013, Beach 2004, 2008, 2010) sowie fünf Olympia-Qualifikationsturniere (2000 bis 2012). Von Moltke ging als Präsident der Sportler in die Geschichte des DVV ein und wurde aufgrund seiner Verdienste zu dessen Ehrenpräsidenten gekürt.
Persönlich lernte ich als 23-Jähriger Werner von Moltke kennen, als er Repräsentant des Sportartikelunternehmens Adidas war. Er sprach mich bei den Deutschen Meisterschaften 1974 in Hannover an und bot mir einen Ausrüstervertrag an, weil er der Meinung war, dass ich das bis dahin größte deutsche Diskuswurftalent sei. Versteht sich, dass ich das Angebot dankend annahm.
Bleibt noch von dieser Stelle ein Herzlicher Glückwunsch, lieber Werner von Moltke! Er wird daheim in Nieder-Olm im Landkreis Mainz-Bingen sicher mit einem Rotwein anstoßen. Dem Vernehmen nach seinem Lieblingsgetränk.