Westfalen Open: Chaos in Tüten war teilweise vorprogrammiert

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Kolumne

Moment mal

(Gladbeck/Krefeld, 23. Mai 2016)
Wer ist eigentlich für wen da: Die Organisatoren für die Aktiven oder umgekehrt? Es darf gemutmaßt werden, dass die Putzkolonne der Geschäftsstelle der Sportschule Kaiserau in Kamen den Zeitplan für die Offenen Westfälischen Senioren-Meisterschaften gestern in Gladbeck mal eben in der Kaffeepause verbrochen hat. Das „v“ könnte auch weg gelassen werden. Wofür gibt es eigentlich einen so frühen Meldeschluss vor Titelkämpfen, wenn auf die tatsächlichen Gegebenheiten nicht mit einer Feinjustierung der Wettkampfgestaltung eingegangen wird?! Damit nicht genug, wurden doch neben den bereits vorher absehbaren Unzulänglichkeiten und Ungereimtheiten noch kurzfristig Verschlimmbesserungen durch Zusammenlegung mehrerer Altersklassen in den Wurfdisziplinen vorgenommen. Das macht sicherlich da Sinn, wo nur jeweils wenige Teilnehmer/innen in die verschieden großen Ringe oder den Ablauf gehen. Aber wirklich nur dort.

Einwände in den Wind geschrieben

Auch Einwände einiger Athleten noch vor Ort, die ihr Geschäft 50 Jahre und länger betreiben, ihr Handwerk folglich aus dem eff-eff kennen, wurden in den Wind geschrieben. Da herrschte selbst in Westfalen das mitunter fatalistische rheinische Motto „Et hätt noch immer jot jejange“ a la des beratungsresistenten Frank O(ooh). Hamm (er trieb dereinst beim LV Nordrhein sein Unwesen, jetzt beim DLV) vor. Meist ein Trugschluss. Dies sei exemplarisch am Kugelstoßen der M70 bis 80 aufgemacht, das ich als einer von insgesamt 20 Teilnehmern (9 – 6 – 5) mitmachen wollte. Auf Anraten konnten sich die freundlichen, bemühten, aber letztlich überforderten beiden Kampfrichterinnen zu einer sinnvollen Teilung des viel zu großen Feldes nicht durchringen. Also nahm das Chaos seinen Lauf, da einige Gemeldeten zur vorgesehenen Startzeit (14 Uhr) noch beim zu spät begonnenen Diskuswurf (ebenfalls M 70 bis 80) waren und nun teelöffelweise eintrudelten. Eine isolierte Durchführung des Wettbewerbes der bereits eingestoßenen Spezialisten scheiterte an der Uneinsichtigkeit einiger Nachzügler. Das wäre allerdings streng genommen auch nicht regelkonform gewesen. Denn es geht natürlich nicht, dass Athleten aus derselben Altersklasse in zwei verschiedenen Gruppen starten. Abgekürzt: An dieser Posse wollten längst nicht alle mitwirken, und so hagelte es am Ort der Handlung sechs Abmeldungen. Der mittlerweile einsetzende prognostizierte Regen, der ausnahmsweise nicht dem Veranstalter anzulasten ist, tat sein Übriges, sich nicht die elendig langen Wartezeiten zwischen den Versuchen zumuten zu wollen. Und so bekam zumindest für den größeren Rest unsere Überschrift vom 20.Mai „Senioren unter lauter Senioren sollen mal so richtig nass gemacht werden“ eine leidvolle Berechtigung.

Lieblose, meisterschaftsunwürdige (Nicht-)Präparierung

Stammteilnehmer von Westfälischen Meisterschaften der Ü30-Generation wissen zu berichten, dass derartige Vorkommnisse nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel sind. Speziell Werfer in den gut frequentierten oberen Altersklassen sollten und werden sich sehr genau überlegen, ob sie sich das noch einmal antun. Da wir gerade schon bei der Schelte sind: Lieblos und einer Meisterschaft unwürdig, dass es bei Stoß und Wurf keinerlei Feldmarkierungen innerhalb der Sektoren gab. Freuen wir uns also auf die Offenen Nordrhein-Seniorenmeisterschaften am 04.Juni 2016 im zu Gladbeck benachbarten Essen.
Greifen wir jedoch in diesem Falle fürwahr zu guter Letzt noch zwei positive Dinge heraus. Entgegen der lahmen Ergebnisübermittlung vom NRW-Teamfinale in Menden gab es diesmal einen Live-Ticker, und das Catering unter dem Schutz des Tribünendaches genügte zu übersichtlichen, volkstümlichen Preisen höchsten Ansprüchen. Immerhin das! Aber es sind und bleiben nun einmal Nebenschauplätze. Der Wettkampf und vor allem überhaupt die Teilnahme daran stehen im Vordergrund. Und es sollte hinterher nicht heißen
Außer Spesen nichts gewesen". Ganz zu schweigen vom Ärgernis.