DAMM ließ sich nicht kaputtreformieren und feiert fröhlich Urständ'

(Krefeld, 23. Mai 2017) Nehmen wir eine kleine Anleihe bei den Franzosen, deutschen das geflügelte Wort jedoch ein: Der König ist tot, es lebe der König! Das lässt sich 1:1 auf die gute alte Deutsche Altersklassen-Mannschaftsmeisterschaft (DAMM) übertragen, die neumodisch Team-DM Senioren genannt wird. Das ist glücklicherweise das einzige was nach heftigen Protesten der wahrhaft betroffenen Aktiven von den „Verschlimmbesserungen“ übrig geblieben ist. Der Erfolg liegt auf der Hand, derweil in den Klassen darunter die DMM, DJMM und DSMM von diesem Gott begnadeten Erneuerer und DLV-Leiter Wettkampf-Organisation Frank O(ooh). Hamm aus Aachen (Ooche Alfaf; Karneval ist bei ihm immer) gnadenlos kaputtreformiert wurde. Mannschaftswettkämpfe bei Männern/Frauen und dem Nachwuchs fallen in diesem Jahr komplett aus.

Vorjahresmeister muss nachsitzen

Dagegen feiert die DAMM unterdessen unverdrossen fröhliche Urständ. Bislang nahmen Stand 21.Mai 2017 bei zehn Landesmeisterschaften oder Qualifikationsdurchgängen insgesamt 73 Vereine/Startgemeinschaften teil.  Bei den noch ausstehenden offiziellen Terminen in Hamburg, Gröbenzell und Verden werden noch einmal etwa 15 Teams antreten, davon allein neun an Christi Himmelfahrt in der größten deutschen Hansestadt. Auf das es kein Himmelfahrtskommando werden möge. Denn gerade ein Team-Wettkampf ist alles andere als ein Wunschkonzert. Davon kann insbesondere die W40 des TSV Bayer 04 Leverkusen ein traurig‘ Lied  singen. Als strahlender Meister des Vorjahres (6.600 Punkte) stürzten sie beim NRW-Team-Endkampf am „Tag der Arbeit“ (01.Mai 2017) im Wallfahrtsort Kevelaer auf 5.871 Punkten ab und belegen derzeit mit acht Zählern Rückstand in der vorläufigen inoffiziösen Rangliste den nicht zum Finale reichenden siebten Platz. Nun müssen die fortgeschrittenen Mädels, mit so manchem Ass von einst in ihren Reihen, in einem eigens eingerichteten Durchgang „für Enttäuschte“ am Wochenende in Oberhausen nachsitzen. So sie komplett sind, sollten sie das Leistungsvermögen haben, das locker zu bewerkstelligen und sich bis in die Spitzenpositionen jenseits von 6.000 Punkten zu katapultieren.

Drei Teams droht die Disqualifikation

Allein in der W60 (vier) und M30 (fünf) gibt es bislang weniger Bewerber als Finalplätze. Vielleicht kann diese Marktlücke noch genutzt werden. Die Teams der Stg Top-Weiß Spandau (M50), des VfV Spandau (W30) und der LG Nord Berlin (W60) werden einer gestrengen Prüfung durch den DLV nicht standhalten. Denn sie meldeten laut Ergebnisliste mehr als die erlaubten drei Athleten/innen pro Disziplin, in zwei Fällen sind sogar jeweils vier Kugelstoßer/innen (M50, W30) eingesetzt worden (wir berichteten). Gnade vor Recht kann es nicht geben, da regelkonform handelnde Teams benachteiligt würden. Dieses Trio sollte dem Leverkusener Beispiel folgen. Es muss ja nicht im rund 500 Kilometer entfernten Oberhausen sein.

Kugelstoß-Gigant Andy Dittmar eröffnete die Saison mit 18,06 Meter

(Geisenheim/Krefeld, 22. Mai 2017) Service sieht anders aus. Erst nach Abschluss der zweitätigen Hessischen Senioren-Meisterschaften der Ü30-Generation in Geisenheim kamen die Organisatoren gestern Abend mit der Online-Ergebnisliste heraus. Dabei gab es bereits am ersten Tag durchaus berichtenswerte Entscheidungen. Der Hochsprung der M70 gehörte dazu, wenngleich Thomas Zacharias (*1947) vom TV Obersuhl die angepeilte Verbesserung des deutschen Rekords (1,49m) von Wolfgang Hirt (*1946) vom SC Bayer 05 Uerdingen versagt bliebt. Der 70-Jährige scheiterte nach übersprungenen 1,48m dreimal an 1,51m. „Nach einem Schlüsselbeinbruch vor drei Wochen habe ich nicht mehr richtig trainieren können“, teilte uns Thomas gestern um 13.13 Uhr via Mail mit. „Es tat noch sehr weh beim Springen. Hoffe, es wird jetzt weiter besser, so dass in der Saison wenigstens noch ein deutscher Rekord herausspringt. Der Weltrekord von 1,59m ist für mich nicht mehr machbar.“ Ob er seine Meldung für die Westfalen „Open“ am kommenden Donnerstag (Christi Himmelfahrt) in Paderborn wahrnimmt, ließ er offen.
Das von uns in der Vorschau erwähnte Kugelstoßen der M50 brachte den erwarteten Dreikampf, den Adrian Ernst (*1967) von der TSG Wehrheim mit 14,03m für sich entschied. Der von ihm bezwungene Robert Ingenbleek (*1963) von der LG Eder hielt sich mit starken 47,61m im Diskuswurf schadlos. Aus der Fraktion Stoß/Wurf stach bei den „Mädels“ die noch zur erweiterten deutschen Spitzenklasse gehörende Julia Bremser (*1982) von der LSG Goldener Grund Selters mit 55,19m im Diskuswurf der W35 heraus. – Alle Resultate aus Geisenheim.
Die Meldung des Seniorenbereichs vom Wochenende kommt jedoch von Kugelstoß-Gigant Andy Dittmar (*1974) von BiG Gotha. Der bereits im vierten Jahr der M40 stehende Dauerbrenner kann einfach nicht unter 18 Meter, stieß gestern zu seinem Saisonauftakt in Ohrdruf 18,06m. „Damit bin ich sehr zufrieden“, äußerte sich der 43-jährige Thüringer. „Zumal ich nach einer Oberschenkelzerrung und einem Hexenschuss noch reichlich Trainingsrückstand habe.“

Neuer Hochsprung-Rekord von Thomas Zacharias liegt in der Luft

(Geisenheim/Krefeld, 20. Mai 2017) Als geschlossene Gesellschaft kommen sie daher. Anders als bei einigen offen ausgeschriebenen Landesmeisterschaften sind die Hessen bei ihren Senioren-Titelkämpfen ab M/W30 in Geisenheim zwischen Wiesbaden und Rüdesheim unter sich. Anders ist es auch, sich heute und morgen dafür zwei Tage Zeit zu nehmen. Dafür bieten sie aber das volle Programm an, einschließlich Hammerwurf, Drei- und Stabhochsprung. Alles in allem können sich die Meldezahlen für den viertgrößten Landesverband nach Bayern, Westfalen und Württemberg sehen lassen. 316 Aktive haben zu 697 Starts ihre Nennungen abgegeben. Kuriosum am Rande: Die Anzahl der Startwilligen deckt sich exakt mit den Westfalen „Open“ an Christi Himmelfahrt in Paderborn, die allerdings durch 35 externe Athleten/innen aus dem Nordrhein und drei aus Hessen aufgepeppt werden.
Hier wie da wird sich und den jeweiligen Meisterschaften Hochsprung-Ass Thomas Zacharias (*1947) vom TV Obersuhl die Ehre geben. Und wenn der Jung-Siebziger anzutreten pflegt, hat er auch etwas „drauf“ und führt einen neuen deutschen Rekord im Schilde. Den es zu knacken gilt, der wird von Wolfgang Hirt (*1946) vom SC Bayer 05 Uerdingen seit dem Vorjahr mit 1,49m gehalten. Hirt war es auch, der seinem prominenten Antipoden bei der Hallen-DM 2017 in Erfurt eine unverhoffte Niederlage beigebracht hat. Das stachelte Zacharias wohl zu neuen Taten an, der ursprünglich nach der Hallensaison die Sprungschuhe endgültig an den vielzitierten Nagel hängen wollte.
Eine Art Renaissance wird bei den „Hessischen“ das Kugelstoßen erleben. Zumindest in der M50. Dazu haben 13 Schwergewichte unter den Leichtatleten ihre mehr oder weniger noble Visitenkarte abgegeben. „So etwas habe ich in den letzten 20 Jahren nicht erlebt“, ist Drehstoß-Techniker Adrian Ernst (im Bild) von der TSG Wehrheim bass erstaunt. Und weiter:
Soweit ich mich erinnern kann, musste noch nie nach dem Vorkampf das Feld der acht Finalisten ausgefiltert werden.“ Der Neu-Fünfziger vom Jahrgang 1967 führt als Vergleich an, dass es von der  M30 – 45 überhaupt nur acht Athleten sind. Aber in der M50 stimmt nicht nur die Masse, sondern auch die Klasse. Es sollte mit Ernst selber, Robert Ingenbleek (LG Eder) und Uwe Krah (MT Melsungen) das voraussichtliche Medaillen-Trio in der Lage sein Weiten von jenseits 13,50 Meter anbieten zu können. Alle Meldelisten nach Altersklassen und Disziplinen.

Hurra, die Hessen kommen - nur mit den Ergebnissen nicht

Kolumne

Das Wort am Sonntag

(Geisenheim/Krefeld, 21. Mai 2017)
Hurra, die Hessen kommen! Das soll vor Jahrhunderten irgendein in die Bredouille geratener Feldherr freudig erregt ausgerufen haben. Es gibt zudem einen weithin unbekannten Mundart-Schlager der Gruppe Rodgau Monotones von 1984 mit dem Titel „Die Hesse komme“. Nur mit den Ergebnissen vom gestrigen Auftakt der Hessischen Senioren-Meisterschaften der Ü30-Generation kommen sie bislang (09:15 Uhr) nicht aus dem Knick. Derweil sind die Resultate der Nordhessischen Jugendmeisterschaften der U16 und 14 von gestern in Hofgeismar bereits online. Die Senioren/innen wieder mal als fünftes Rad am Wagen. Mitunter kann ich gar nicht so viel essen, wie ich ko… möchte.

Rhein trat nicht über seine Ufer

Aber wir können getrost davon ausgehen, dass der Rhein in Geisenheim nicht über seine Ufer getreten ist und die Titelkämpfe im Rheingau-Stadion auch stattgefunden haben. Denn die sehr mitteilsame Elisabeth Wisniewski (*1957) von der LG Rodgau postet im  „Gesichtsbuch“, dass sie gegen sehr übersichtliche Konkurrenz den Hochsprung der W60 mit neuem Hessischen Landes-Rekord von 1,35m (zuvor 1,31m) gewonnen habe. Dafür wurde sie von Bürgermeister Frank Kilian geehrt, der dem Ereignis angemessen im feinen grauen Zwirn mit blauem Hemd und dezent gestreifter Krawatte daherkam. Das ist ganz prima für die „flotte Liz“ mit den langen schlanken Beinen. Glückwünsch!
Aber ganz offen gestanden hätte an unsere Vorschau anknüpfend uns noch mehr interessiert wie bei Hochsprung-Ass und M-50-Hallen-Weltrekordler (2,00m) Thomas Zacharias (*1947) vom TV Obersuhl das Unternehmen ausgegangen ist, bei seinem ersten (?) diesjährigen Freiluftstart in der M70 womöglich den deutschen Rekord (1,49m) von Wolfgang Hirt (*1946) vom SC Bayer 05 Uerdingen verbessert zu haben. Den Uerdinger und unsere Stammbesucher vermutlich auch. Eine direkte E-Mail-Anfrage bei Thomas von heute Morgen 07:45 Uhr zeitigte bislang leider noch keinen Erfolg. Sicherlich hat er Besseres zu tun, als schon vor dem sonntäglichen Frühstück seine Mails zu checken.
Ob wir mit unserem Nischenengagement für im Schnitt 1.500 Leser täglich  nun früher, später oder überhaupt nicht von den  „Hessischen“ unser Sendungsbewusstsein an den Mann und die Frau bringen wollen, mag ungefähr so wichtig sein, als fiele im riesigen Reich der Mitte (China) irgendwo auf dem platten Lande ein Sack Reis um. Zumal wir trotzdem irgendetwas anderes vermelden (siehe dieses Beispiel).  Aber die verantwortlichen Organisatoren sollten vor allem daran denken, dass die Sportredaktionen der vielen lokalen Tageszeitungen über ihre „Helden“ berichten wollen und dazu nun einmal auf den schnellen Zugriff von Online-Ergebnislisten angewiesen sind.

Eine Nachhilfe-Seminar des DLV wäre dringend geboten

Es ist dringend geboten, dass dieses enorm bedeutungsvolle Referat PR/Medien beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) in Darmstadt seinen 20 Landesverbänden diesbezüglich mal ein Nachhilfe-Seminar, sie würden es in ihrem Anglizismus-Wahn „Work Shop“ nennen, angedeihen lässt. Manche haben es bitter nötig. Nicht nur die Hessen. Da haben auf diesem Sektor Veranstalter von vergleichsweise kleinen Vereinen wesentlich mehr zu bieten, die häufig kurz nach Schluss eines Meetings schon mit den Resultaten im Netz sind.  
In diesem Sinne noch einen schönen Sonntag und eine in jeder Beziehung zauberhaften, wegen Christi Himmelfahrt arbeitstechnisch etwas kürzeren 21. Kalenderwoche!

22. und letzter WLV Werfer-Cup in bewegten und vertonten Bildern

(Wiesbaden/Krefeld, 19. Mai 2017) Eine Ära ist unwiderruflich zu Ende. Und wie so oft in solchen Fällen ist dies eng mit einem Namen verknüpft. Veranstaltungsleiter Peter Schulte macht aus gesundheitlichen Gründen Schluss. So erlebte der Wiesbadener Werfer-Cup nach 22 Jahren seine letzte Auflage im Helmut-Schön-Sportpark. Da machte sich beim großen „Familientreffen“ der ehemaligen und aktuellen Werfer-Generation sowie der vielen Stammbesucher auf der einmal mehr gut gefüllten Tribüne jede Menge Wehmut und allgemeines Bedauern breit. Mancher Dauergast unter den Athleten/innen  hatte vor dem Verlassen der Anlage beim Händeschütteln mit dem Chef-Organisator und seiner Frau Ute einen regelrechten Kloß im Hals.
Gerd Kanter (*1979) aus Estland, erstmals in der hessischen Landeshauptstadt dabei und mit 65,87m knapper Diskus-Sieger vor Jung-Senior Martin Wierig (*1987; 65,56m) aus Magdeburg, brachte es im Gespräch mit dem leidenschaftlichen Mainzer Video-Filmer Heinz Engels (*1934) auf den Punkt. „Das ist eine wunderbare Atmosphäre hier“, meinte der Olympiasieger von 2008 mit dem langen Haltbarkeitsdatum. „Ich bin sehr froh, dass ich wenigstens die letzte Veranstaltung miterlebt habe.“
Das werden viele ganz genau so sehen und empfunden haben. Denn in Wiesbaden ging so mancher Stern auf. Der einstige „Herr der Ringe“, der fünffache Weltmeister und Olympiasieger Lars Riedel (*28.06.1967), warf nicht ganz 30-jährig bei dem da noch jungen Meeting an damals anderem Schauplatz am 03.Mai 1997 mit 71,50 Meter seine Lebensbestleistung.
Der bereits erwähnte Heinz Engels hat die Abschiedsvorstellung in vertonten und bewegten Bildern mit Texteinblendungen von Namen sowie erzielten Weiten unter diesem Link in 35:24 Minuten festgehalten. Und für die Freunde von ganz viel Statistik haben wir zusätzlich die Online-Ergebnisliste verlinkt.